Eckdaten der Geschichte der White Star Line

1849

John Pilkington gründet die „White Star Line of Boston Packets“. Es ist eine Reederei, die ausschließlich Segelschiffe einsetzt. Die Packets waren eine Schiffsklasse zur Beförderung von Fracht und Passagieren; andere verbreitete Schiffstypen jener Zeit waren die Clipper (Schnellsegler) und Walfangschiffe.

1854

21. Januar
Die von der White Star Line gecharterte Tayleur sinkt auf ihrer Jungfernfahrt. 362 Menschen sterben bei dem Unglück, 290 überleben.

1864

4. April
Die Royal Standard der White Star Line kollidiert auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg und sinkt beinahe.

1869

18. Januar
Konkurs der Reederei. Thomas Henry Ismay, ein Schifffahrtskaufmann mit Wohnsitz in Liverpool, kauft für £1.000 die Namensrechte „White Star Line“ inklusive das Recht an der Flagge, einem roten Wimpel mit weißem Stern.

30. Juni
Thomas Henry Ismay bestellt sein erstes Schiff bei der Werft Harland & Wolff in Belfast. Es ist der Beginn einer langjährigen Partnerschaft.

6. September
Die Oceanic Steam Navigation Company wird von Thomas Henry Ismay gegründet. Die White Star Line wird zum Markennamen dieser Firma. Schiffsagent der Oceanic Steam Navigation Company ist die Firma Ismay, Imrie & Co.

1870

27. August
Stapellauf der Oceanic in Belfast.

1871

2. März
Die Jungfernfahrt der Oceanic beginnt auf der Route Liverpool – New York und mit 64 Passagieren an Bord. Kurz nach dem Ablegen kommt es zu Maschinenproblemen und die Fahrt muss unterbrochen werden.

16. März
Die unterbrochene Jungfernfahrt der Oceanic wird fortgesetzt.

1872

25. Mai
Die Adriatic (Indienststellung April 1872) holt das Blaue Band für die Westpassage mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,53 Knoten. Sie behält diesen Rekord bis August 1875 – dann wird die Germanic von der gleichen Reederei mit 14,65 Knoten zur Rekordhalterin.

1873

19. Januar
Die Baltic (Indienststellung 1871) holt das Blaue Band für die Ostpassage mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,09 Knoten. Damit hält die White Star Line die gültigen Rekorde für die West- und die Ostpassage. – Die Baltic behält ihren Rekord bis Oktober 1875. Abgelöst wird sie von der City of Berlin der Inman Line, die den Rekord für die Durchschnittsgeschwindigkeit einer Ostpassage  auf 15,37 Knoten schraubt.

1. April
Die Atlantic strandet vor Neufundland. 588 Menschen verlieren dabei ihr Leben – bis dato das schwerste Schiffsunglück im Passagierverkehr auf dem Nordatlantik.

1891

1. Januar
Joseph Bruce Ismay und James Ismay, beides Söhne von Thomas Henry Ismay, werden Teilhaber von Ismay, Imrie & Co, den Schiffsagenten der White Star Line.

19. August
Die Teutonic stellt mit 20,35 Knoten einen neuen Rekord auf der Westpassage auf. Es ist das letzte Mal, das ein Schiff der White Star Line das Blaue Band holt. – Dieser Rekord hat bis Juni 1893 Bestand, dann übernimmt die Campania der Cunard Line mit 21,12 Knoten.

Dezember
Thomas Henry Ismay beendet seine operativen Managertätigkeiten bei Ismay, Imrie & Co, bleibt aber Vorsitzender.

1893

11. Februar
Die Naronic, ein Viehtransporter mit Passagierkapazität, verlässt Liverpool mit Ziel auf New York. Sie setzt den Lotsen bei Point Lynas (Anglesey, Wales) ab und fährt dann mit Westkurs in schwere See hinaus. Seitdem ist sie verschollen.

1899

14. Januar
Mit der Oceanic (II) wird das erste Schiff vom Stapel gelassen, dass länger ist als die legendäre Great Eastern aus dem Jahr 1858. Gleichzeitig markiert dieses Schiff den Wendepunkt der Reedereipolitik weg von neuen Geschwindigkeitsrekorden und hin zu mehr Komfort.

23. November
Thomas Henry Ismay stirbt im Alter von 72 Jahren. – Die Reederei wird nun gemanagt durch Joseph Bruce Ismay, James Ismay, William Imrie und W. S. Graves.

1901

4. April
Die Celtic (II) läuft in Belfast vom Stapel. Sie ist das erste Schiff mit einer Tonnage von über 20.000 BRT und das erste Schiff, das vom Rauminhalt die Great Eastern (1858) übertrifft. Außerdem setzt sie konsequenter als die Oceanic den Weg der Reederei zu mehr Komfort bei einer geringeren Höchstgeschwindigkeit fort.

1902

Der amerikanische Bankier J. P. Morgan übernimmt die Aktienmehrheit der Oceanic Steam Navigation Company und gliedert diese Reederei in die International Mercantile Marine Company (IMM) ein. Der Markenname „White Star Line“ wird dabei weiter geführt.
Joseph Bruce Ismay wird Geschäftsführer der IMM und bleibt Vorstandsvorsitzender der White Star Line sowie einer weiteren Reederei in dem Verbund. W. Imrie, J. Ismay und W. S. Graves scheiden aus.

1904

Die IMM ist in einer schwierigen Lage. Die operativen Zahlen sind nicht so wie erwartet, und J. P. Morgan will nicht mehr Geld investieren.
Nach vielen Diskussionen ist Joseph Bruce Ismay bereit, den Vorstandsvorsitz der IMM zu übernehmen.

1909

24. Januar
Die Republic geht zwei Tage nach einer Kollision mit einem anderen Schiff unter. – Die Republic ist das bis dahin größte Schiff, das gesunken ist. Dennoch ist die Opferzahl mit vier Toten gering.
Bei diesem Unglück wird  erstmals die damals neue drahtlose Funktechnik zum Lebensretter, denn von der Republic aus wird der Notruf gefunkt und dadurch kommen Hilfsschiffe zum Unglücksort.

1911

14. Juni
Die unter viel Medienaufmerksamkeit gebaute Olympic beginnt ihre Jungfernfahrt nach New York. Sie ist das deutlich größte Schiff der Welt, aber weder von der Einrichtung noch von der Technik her wirklich innovativ. Sie bietet alles, was sich auf anderen Schiffen im Einsatz bewährt hat – wenn auch alles deutlich größer als bisher gekannt.

1912

15. April
Die Titanic, das jüngere Schwesterschiff der Olympic, sinkt nach einer Kollision mit einem Eisberg. Sie ist das bis dato größte Schiff, das untergegangen ist. 1496 Menschen verlieren bei dem Unglück ihr Leben – bis dahin die höchste Anzahl an Opfern bei einem einzigen Schiffsverlust.

1913

30. Juni
Joseph Bruce Ismay tritt von seinen Posten bei der IMM und der White Star Line zurück.  Dieser Rückzug war bereits vor dem Untergang der Titanic beabsichtigt gewesen. Nachfolger bei der White Star Line wird Harold Sanderson und als Präsident der IMM P. A. S. Franklin.

1914

4. August
England tritt in den Krieg ein, der später als 1. Weltkrieg bekannt wird. – Für die White Star Line bedeutet das, dass einige Schiffe als Hilfskreuzer der Royal Navy in Dienst gestellt werden und auch Mannschaften sowie Reserveoffiziere in den Kriegsdienst gezogen werden.

8. September
Die Oceanic ist eines der Schiffe, die als Hilfskreuzer eingesetzt werden. Bei klarem, schönen Wetter und Tageslicht läuft sie in diesem Dienst auf einen Felsen, drei Meilen südöstlich von Foula, 20 Meilen westlich der Shetland Inseln. Ursache: Ein Navigationsfehler. Die Oceanic muss als Totalverlust aufgegeben werden und ist damit der erste kriegsbedingte Verlust der White Star Line.

1916

28. Juli
Mit einer außergerichtlichen Vergleichszahlung der White Star Line in Höhe von US$665.000 wird der Untergang der Titanic zu den Akten gelegt.

1918

12. Mai
Die Olympic rammt und versenkt das deutsche U-Boot U 103. Es ist das erste und bisher einzige Mal, dass ein Passagierschiff ein Kriegsschiff durch Rammstoß versenkt.

11. November
Mit dem Waffenstillstand sind die Kriegshandlungen des 1. Weltkriegs beendet. Die White Star Line hat während des Krieges 13 Schiffe verloren, darunter auch die Britannic, Schwesterschiff der Olympic und Titanic, durch einen Minentreffer in der Ägäis, wo sie als Lazarettschiff im Einsatz war.

1922

Die White Star Line erhält als Reparationsleistung die Bismarck als Ersatz für die Britannic und die Columbus für die 1915 versenkte Arabic. – Die Bismarck wird unter dem Namen Majestic in Dienst gestellt, die Columbus als Homeric.

1926

November
Die Royal Mail Group übernimmt die Aktienmehrheit der Oceanic Steam Navigation Company, die dadurch wieder in britischen Besitz kommt.

ab 1927

Finanzielle Schwierigkeiten bei der Royal Mail Group werden sichtbar. – Schiffe der White Star Line werden außer Dienst gestellt und nicht durch Neubauten ersetzt. Neubauten werden angekündigt jedoch nie realisiert. Dadurch reduziert sich die Flotte der White Star Line deutlich.

1930

Erstmals weist die White Star Line einen operativen Verlust aus.

1934

28. Mai
Das North Atlantic Shipping Gesetz wird verabschiedet. Damit wird die Cunard White Star Ltd. zum 10. Mai gegründet.
Die White Star Line hat vier Jahre in Folge Verluste geschrieben, und die Cunard Line benötigt finanzielle Unterstützung für den Bau der Queen Mary und der Queen Elizabeth, die die in die Jahre gekommenen Mauretania, Aquitania und Berengaria ersetzen müssen.
Cunard hält 62% der Anteile, die Oceanic Steam Navigation Company 38%. – Von den 10 Direktoren werden sechs von Cunard und vier von der White Star Line gestellt.
Die White Star Line bringt acht Schiffe mit in die Partnerschaft ein, von denen die Adriatic (1907) bereits im November 1934 zum Abwracken kommt. Von den übrigen Schiffen entsprechen nur die Britannic und Georgic modernen Ansprüchen, alle anderen Schiffe sind aufgrund der Finanznöte der Reederei als veraltet zu betrachten und mit zum Teil mehr als 20 Jahren im Einsatz auch am Ende der Lebenszeit angekommen.

1939

21. August
Die Oceanic Steam Navigation Company wird abgewickelt. Es bleibt die Oceanic Steam Navigation Realisation Company, die die Gläubiger auszahlt.

3. September
Für Großbritannien beginnt der Krieg, der als 2. Weltkrieg bekannt wird. – Es existieren noch drei Schiffe der White Star Line, die nun unter der Flagge der Cunard White Star Ltd geführt werden: Die Britannic (1930), die Georgic (1932) und die Laurentic (1928).

1945

8. Mai
Kriegsende in Europa. Die Bilanz der White Star Line: Die Laurentic wurde durch ein deutsches U-Boot versenkt, die Georgic durch einen Luftangriff schwer beschädigt, konnte aber repariert werden; nur die Britannic hatte den Krieg ohne größere Schäden überstanden.

1947

Die Cunard Steam Ship Co. übernimmt die noch fehlenden 38% am Gesamtbesitz der Cunard White Star Ltd. von der Oceanic Steam Navigation Realisation Company.

1949

31. Dezember
Die Cunard Steam Ship Co. übernimmt alle Aktivitäten der Cunard White Star Ltd. Und damit verschwindet der Name White Star Line als Reederei von den Weltmeeren. – Die zwei verbleibenden White Star Schiffe in der Flotte behalten aber die White Star Farbgebung bei und zeigen auch weiterhin die White Star Flagge über der Hausflagge der Cunard Line.

1956

Mit der Georgic wird das vorletzte Schiff unter der White Star Line Flagge abgewrackt

1960

Dezember
Die Britannic, das letzte Schiff mit White Star Line Flagge im kommerziellen Dienst, erreicht Inverkeithing und wird abgewrackt.

Zusammengestellt: Susanne Störmer, 2012

Quellen:
Duncan Haws (1990), Merchant Fleets 19, White Star Line (Oceanic Steam Navigation Company), Hereford, Travel Creatours Ltd.
www.titanicverein.ch, Zeittafel