Weitere Belege für die Eissituation am Unglücksort

Die Titanic fuhr mit voller Fahrt voraus mitten durch ein Eisfeld bestehend aus Eisbergen und Treibeis. Das macht die überlieferte Version, dass die Titanic nur einen einzigen Eisberg gesichtet hat, mit dem sie dann auch noch kollidierte, zweifelhaft. Denn auf anderen Schiffen in jenem Seegebiet in jener Zeit hat die Schiffsführung dieses Eis bemerkt. Belege dazu werden in dem Buch „Dampfer Titanic: Eisberg voraus“ aufgeführt.
Es gibt zudem weitere Belege dafür, dass die Titanic mitten durch ein Eisfeld gefahren ist. Diese befinden sich in Funkmeldungen an die Olympic vom 15. April 1912. Diese Beschreibungen lassen es noch unwahrscheinlicher erscheinen, dass von der Titanic aus nur ein einziger Eisberg gesichtet wurde, mit dem das Schiff dann auch noch kollidiert ist:

12:25 Uhr New York Zeit (= 14:27 Uhr Titanic-Zeit):
Olympic an Parisian: „Können wir von Westen kommend 41.22 Nord, 50.14 West und dann nördlich zur Titanic steuern ohne auf viel Eis zu treffen? Wir sollten gegen Mitternacht vor Ort sein. Wäre dankbar, wenn Sie mir die korrekte Position der Titanic nennen könnten. Haddock.“

12:50 Uhr New-Yorker-Zeit
Parisian an Olympic: „Sicher vor Treibeis bis 41.22, 50.14, so war das Eis gestern. Von der Position sollten Sie ungefähr Nordost und Nord steuern bis 41.42 und 50 und sich dann der Position von Westen mit West Nordwest Kurs nähern. Meine Kenntnis der Mitternachtsposition stammt von Ihrer eigenen Meldung an New York, und da nannten sie 41.47 Nord, 50.20 West. Wenn das korrekt ist, war sie in dichtem Treibeis und zwischen vielen Bergen. Hoffe und vertraue darauf, dass die Dinge nicht so schlecht stehen wie es scheint.“ (Hervorhebung hinzugefügt)

15:50 Uhr Schiffszeit Olympic
Olympic hat Kontakt mit der Carpathia hergestellt und erhält die folgende Antwort: „Bleib dran. Ich mache nicht alles zugleich. Geduld bitte.“
Carpathia an Olympic: „Ich empfing Notrufe der Titanic um 23:20 Uhr, und wir fuhren direkt zu der genannten Stelle. Bei Ankunft bei Tagesanbruch sahen wir 25sm Treibeis, scheinbar massiv, und eine Menge Wrackteile und eine Anzahl Boote voll mit Menschen. Wir retteten etwa 670 Seelen. Die Titanic ist gesunken. Sie ging innerhalb von etwa zwei Stunden unter. Kapitän und alle Ingenieure tot. Unser Kapitän wies die Baltic an, dass sie nicht näher kommen brauchte. Also kehrte sie auf ihren Kurs nach Liverpool zurück. Werdet Ihr Euren Kurs auf Basis dieser Information wieder aufnehmen? Wir haben zwei oder drei Offiziere an Bord und den zweiten Marconi-Funker, der teilweise zu 30° F [7] kaltes Wasser gekrochen ist. Mr Ismay an Bord.“ (Hervorhebung hinzugefügt)

14:35 Uhr New York Zeit (16:37 Uhr Titanic-Zeit):

„Kapitän Carpathia: Informieren Sie mich bitte, wenn es auch nur im Geringsten sinnvoll ist, die Position der Titanic bei Tagesanbruch abzusuchen. Stimme Ihnen hinsichtlich Nicht-Treffens zu. Werde gegenwärtigen Kurs beibehalten, bis Sie vorbei sind und mich dann weiter südlich halten. Ist diese Parallele von 41.17 Nord eisfrei? Haben Sie das Unglück an unsere Leute in New York oder Liverpool gemeldet oder soll ich es machen? Und welche näheren Angaben für die Weiterleitung können Sie mir mitteilen? Aufrichtiger Dank für alles, was Sie getan haben. Haddock.“

„Kapitän Haddock, Olympic: Südlichster Punkt vom Treibeis ist 41.16 Nord. Versuchen Sie nicht vor 49.30 West nach Norden zu fahren. Viele Berge, große und kleine, im Treibeis. Auch für viele Meilen nach Osten. Fürchte, es ist absolut hoffnungslos, Position der Titanic abzusuchen. Ließ Californian der Leyland Line zum Suchen zurück. Alle Boote wurden gefunden. Ungefähr 675 Seelen gerettet, Besatzung und Passagiere, letztere fast alles Frauen und Kinder. Titanic ist um 2:20 Uhr, 5:47 Uhr Greenwich Zeit, auf 41.46 Nord, 50.14 West untergegangen; bin mir nicht sicher, ob Nachricht durchgekommen ist. Bitte leiten Sie es weiter an White Star, auch an Cunard, Liverpool und New York, dass ich nach New York zurückkehre. Halte das für am Ratsamsten aus vielen Überlegungen. Rostron.“ (Hervorhebung hinzugefügt)

Quellen:

John Booth and Sean Coughlan (1993), Titanic. Signals of Disaster, Westbury, Wiltshire: White Star Publications
Michael Hughes and Katherine Bosworth (2012), Titanic Calling. Wireless Communications during the Great Disaster, Oxford: Bodleian Library
Wade Sisson (2011), Racing through the Night. Olympic’s Attempt to Reach Titanic, Stroud: Amberley