Warum Wilde? – Die Personalplanung der White Star Line.

von Susanne Störmer

Southampton, 9. April 1912. Wenige Stunden bevor die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt ablegt, mustern die Offiziere an – und es gibt im Vergleich zur Überführungsfahrt von Belfast nach Southampton eine Veränderung: Chief Officer wird Henry Tingle Wilde, als 1. Offizier mustert der bisherige Chief Officer William McMaster Murdoch an, der ursprüngliche 1. Offizier Charles Herbert Lightoller wird 2. Offizier und David Blair, der bisherige 2. Offizier, muss komplett aussteigen. Diese Änderung hat sich schon mindestens einen Tag vorher abgezeichnet und soll voraussichtlich für eine Rundreise Bestand haben.

Über diese Änderung in letzter Minute wird später viel gerätselt. Es gibt diverse Thesen, weswegen es zu der Umbesetzung gekommen ist. Eine These z. B. besagt, dass Kapitän Smith seinen langjährigen Chief Officer Henry Wilde an Bord haben will. Damit stellt sich die Frage, wann und wo sind Smith und Wilde schon zusammen gefahren?

Jahr/Schiff Schiff Smith Schiff Wilde
1911 Adriatic bis April 1911
Olympic ab Mai 1911
Megantic
ZEELAND (Kapitän)
Teutonic
Cedric
Olympic ab Juni 1911
1910 Adriatic Cedric
1909 Adriatic Laurentic
Cedric
1908 Adriatic Medic
Cymric
Canopic
1907 Baltic
Adriatic ab Mai 1907
Medic
1906 Baltic Celtic
Medic
1905 Baltic Arabic
Celtic

Außer der gemeinsamen Zeit auf der Olympic  sind in der Zeitspanne 1905 bis 1912 keine gemeinsamen Schiffe für Smith und Wilde erkennbar, so dass die These des langjährigen Chief Officers, der die  Jungfernfahrt mitmachen soll, hinfällig wird.

Allerdings gab es einen anderen Offizier an Bord, den Smith möglicherweise als einen „langjährigen Offizier auf meinen Schiffen“ bezeichnet hätte:

Jahr/Schiff Schiff Smith Schiff Murdoch
1911 Adriatic bis April 1911
Olympic ab Mai 1911
Adriatic bis Mai 1911
Olympic ab Mai 1911
1910 Adriatic Adriatic
1909 Adriatic Adriatic
1908 Adriatic Adriatic
1907 Baltic
Adriatic ab Mai 1907
Adriatic   ab Mai 1907
1906 Baltic Cedric
Oceanic
1905 Baltic Oceanic

Murdoch ist also seit 1907 mit Ausnahme von vermutlich drei Reisen auf einem Schiff gefahren, das von Kapitän Smith kommandiert wurde; bei all diesen Reisen war Murdoch 1. Offizier. Diese Tatsache entkräftet zugleich auch die manchmal geäußerte Vermutung, dass Smith Murdoch misstraut. Wenn es zwischen diesen beiden Männern kein Vertrauensverhältnis gegeben hätte, wären sie mit Sicherheit keine fünf Jahre in der Kombination Kapitän/1. Offizier zusammen gefahren. Im Gegenteil: Wo die Logbücher und Musterrollen bei anderen Offizieren Wechsel belegen, ist Murdoch die einzige Konstante unter den Nautikern bei Kapitän Smith.

Ein anderes Gerücht besagt, dass Kapitän Smith einen Offizier mit mehr Erfahrung auf der Olympic an Bord haben will. Die Olympic hat bis zum April 1912 neun Rundreisen gemacht, alle unter dem Kommando von Smith, und die zehnte hat am 3. April 1912 unter dem Kommando von Kapitän Haddock begonnen. Es gibt lediglich einen Senior-Offizier, der bei all diesen Fahrten an Bord der Olympic gewesen ist: Robert Hume (neun Reisen als 2. Offizier und die zehnte Reise als 1. Offizier.) Acht von diesen neun Rundreisen hat Murdoch als 1. Offizier mitgemacht. Und acht Rundreisen hat Wilde als Chief Officer mitgemacht, womit sowohl Wilde als auch Murdoch über die gleiche Erfahrung mit der Olympic verfügen.

Allerdings hilft der Blick auf Hume und den Fahrten zwei, drei und vier der Olympic im Jahr 1912 etwas weiter.
Auf der zweiten Rundreise 1912 (= achte Reise insgesamt)  sind an Bord:

Rang Name Anzahl abgeschlossene   Olympic-Fahrten
Chief Officer Henry Tingle Wilde 6
1. Offizier William McMaster Murdoch 7
2. Offizier Robert Hume 7

Die dritte Rundreise 1912 (= neunte Rundreise insgesamt) der Olympic, die am 13. März 1912 ab Southampton startet, hat folgende dienstältere Offiziere:

Rang Name Anzahl abgeschlossene   Olympic-Fahrten
Chief Officer Henry Tingle Wilde 7
1. Offizier A. Holme 0
2. Offizier Robert Hume 8

Die Reise am 3. April 1912 sieht dann folgende „Aufstellung“:

Rang Name Anzahl abgeschlossene   Olympic-Fahrten
Chief Officer A. Holme 1
1. Offizier Robert Hume 9
2. Offizier A. H. Fry 0

Bei diesen drei Fahrten werden also quasi die dienstälteren Offiziere auf der Olympic durchgetauscht – und immer hatten zwei der Offiziere bereits Erfahrungen mit dem Schiff sammeln können.

Dieses Muster lässt sich auch schon Anfang 1910 auf der Adriatic beobachten, als Murdoch für die Reise im Februar 1910 „ausstieg“ und sein Vertreter bereits die Fahrt vorher mitgemacht hat – allerdings als 2. Offizier. Als Murdoch im März wieder an Bord kommt, haben alle Offiziere ihre alten Plätze wieder eingenommen.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass Anfang 1911 die Besatzung der Adriatic durcheinander gewirbelt wird – und im Juni 1911 dann viele Namen, die vorher das Stammpersonal der Adriatic bildeten, auf der Crewliste der Olympic auftauchen. So sind auf beiden Schiffen Besatzungsmitglieder zu finden, die zuvor schon zusammen gearbeitet hatten, was im Normalfall für einen guten Wissenstransfer sorgt und zugleich sicherstellt, dass ein gewisses Rückgrat vorhanden ist.

Das deutet darauf hin, dass die White Star Line ihren Personaleinsatz sorgfältig und vorausschauend plant. Das jedoch steht in einem gewissen Widerspruch zu den Umbesetzungen, die auf der Titanic vor der Jungfernfahrt stattfinden. Eine der Umbesetzungen trifft die Offiziere, und hier wird ein Blick auf die vorherigen Schiffe sowie die Erfahrungen mit der Olympic noch mal interessant:

Vor Wilde:

Offizier Rang vorheriges Schiff Olympic-Erfahrung
Murdoch Chief Olympic 8 Rundreisen
Lightoller 1. Offizier Oceanic Null
Blair 2. Offizier Teutonic Null
Pitman 3. Offizier Oceanic Null
Boxhall 4. Offizier Arabic Null
Lowe 5. Offizier Belgic Null
Moody 6. Offizier Oceanic Null

Mit Wilde:

Offizier Rang vorheriges Schiff Olympic-Erfahrung
Wilde Chief Olympic 8 Rundreisen
Murdoch 1. Offizier Olympic 8 Rundreisen
Lightoller 2. Offizier Oceanic Null
Pitman 3. Offizier Oceanic Null
Boxhall 4. Offizier Arabic Null
Lowe 5. Offizier Belgic Null
Moody 6. Offizier Oceanic Null

Mit Wilde kommt also tatsächlich Olympic-Erfahrung an Bord. Warum dann aber Wilde und nicht ein anderer Offizier von der Olympic? – Ich vermute, dass Wilde der einzige verfügbare Offizier mit Olympic-Erfahrung ist, da die anderen auf der Olympic bereits wieder auf See sind, als deutlich wird, dass ein einziger Offizier von der Olympic zu wenig ist angesichts der Hetze und des Termindrucks, mit dem die Titanic seeklar gemacht wird.

Wilde hat 1911 bereits eine Reise als Kapitän gemacht, und ich vermute, dass er im April 1912 von der Olympic abgezogen wurde, um erneut ein Schiff als Kapitän zu übernehmen. Nun aber wird er mit seiner Erfahrung auf der Titanic gebraucht – der Rest ist Geschichte.

Und die Änderung unter den Offizieren ist nicht die erste Umbesetzung, denn der erste Kapitän der Titanic war Joseph Haddock. Der hatte zuvor die Oceanic kommandiert, und ein Blick auf die vorherigen Schiffe der Titanic-Offiziere zeigt ein weiteres Mal die Systematik, die auch schon bei der ersten Besatzung der Olympic erkennbar war: Es gibt eine Art Rückgrat innerhalb der Besatzung eines Schiffes, das bei Jungfernfahrten von der Crew eines anderen Schiffes gebildet wird. Auf der Titanic ist es die Oceanic.

Bei der Olympic ist die Verbindung zur Adriatic klar durch den Kapitän (Smith), und bei der Titanic ist es auch Haddock, der in gewisser Weise die Spur legt. Dann jedoch wird noch mal getauscht und Haddock muss auf die Olympic, während Smith die Titanic bekommt und den Schiffsarzt O’Loughlin, der zumindest seit 1905 immer auf dem jeweiligen Flaggschiff der Reederei als Schiffsarzt gefahren ist, gleich mitnimmt. Selbstverständlich war O’Loughlin auch von 1907 bis zu seiner Abkommandierung auf die Olympic im Jahr 1911 auf der Adriatic. Haddock bekommt seinen langjährigen Weggefährten Dr. Beaumont als Schiffsarzt mit auf die Olympic, obwohl dieser nach Angaben in seiner Autobiographie eigentlich für die Titanic vorgesehen war, was kongruent mit der These „Haddock = Kapitän der Titanic“ ist. Und die zehnte Reise sah auch den Zahlmeister Claude Lancaster an Bord der Olympic, während McElroy auf die Titanic wechselte. Wundert es jemanden, wenn sich herausstellt, dass Lancaster häufiger mit Haddock gefahren ist?

Und wie passt McElroy in diese Systematik? – McElroy hat bereits Fahrten als Zahlmeister unter E. J. Smith gemacht. Aber McElroy war auch häufiger mit Kapitän Hayes unterwegs – und Kapitän Hayes war bereits zwei Mal E. J. Smith als Kapitän auf einem Schiff gefolgt: 1904 auf der Majestic und 1911 auf der Adriatic. Damit gehe ich davon aus, dass Hayes Kapitän der Olympic geworden wäre, wenn Smith in Ruhestand gegangen wäre, und Haddock als dann dienstältester Kapitän das Flaggschiff der Reederei, die Titanic, geführt hätte. Denn es gibt auch eine Systematik, die erkennen lässt, dass jedes höherklassige Schiff mindestens ein nachgeordnetes „Trainingsschiff“ hatte. Für die Olympic war es die Adriatic, und für die Titanic war es die Oceanic. Von beiden Schiffen kommt jeweils das Gros der Besatzung für die jeweiligen Jungfernfahrten. Ob diese Systematik auch darüber hinaus Bestand gehabt hat, lässt sich mit den mir vorliegenden Materialien nicht mit Sicherheit bestimmen.

Interessant ist hier dann vielleicht auch noch ein kurzer Blick auf Robert Humes Karriere, denn vom Dezember 1910 bis März 1911 war er für insgesamt vier Reisen auf der Oceanic, die zu der Zeit von Kapitän Haddock kommandiert wurde, ehe er auf die Olympic ging. Davor war er von 1905 bis Dezember 1910 – mit Ausnahme einer einzigen Reise – auf der Majestic. Deren Kapitän war von 1904 bis 1908 Bertram Fox Hayes und 1909 und 1910 F. Beadnell. Hume ist also so etwas wie Hayes‘ Mann, was erneut die These stützt, dass Hayes Kapitän der Olympic werden soll, wenn Haddock die Titanic übernimmt und Smith im Ruhestand ist. Und der neu eingeführte Chief Officer der Olympic, A. Holme, war übrigens von 1908 bis 1910 auch auf der Majestic, womit er Hume von früheren Fahrten kennt. Auch das ist für mich ein weiterer Beleg für den „Vertrautheitsfaktor“, der bei der Zusammenstellung der Besatzung für die White Star Line offensichtlich eine gewisse Rolle spielt.

Es bleibt noch die Frage offen, warum am 1. April 1912 die Kapitäne Smith und Haddock ihre Schiffe tauschten. Ich vermute, dass Kapitän Smith eigentlich mit Ende der Saison 1911 in Ruhestand gehen wollte – und sich dann aufgrund der Kollision mit der Hawke und der noch offenen Schuldfrage entschieden hat, weiter zu machen. Der Untersuchungsausschuss hatte zwar der Olympic die Schuld an der Kollision gegeben, doch die White Star Line hatte dagegen Widerspruch eingelegt.

Es gibt keinen eindeutigen Hinweis vor der Jungfernfahrt der Titanic darauf, dass Smith sich nach der Jungfernfahrt zur Ruhe setzen will. Der 6. Offizier Moody schreibt lediglich in einem Brief an seine Schwester, dass, wenn E. J. Smith in Ruhestand geht, „Pappy“ Haddock Kapitän der Titanic werden soll.

Das Abschiedsdinner, das zu Ehren des scheidenden Kapitän Smith auf der Titanic von einigen Passagieren der 1. Klasse gegeben wird, kann auch nur bedeuten, dass die Passagiere davon ausgehen, dass, wenn sie erneut über den Atlantik fahren, Kapitän Smith nicht mehr aktiv ist – wie häufig fahren die Passagiere im Monat oder im Jahr auf dem Atlantik hin und her?

Wäre Smith wie von mir vermutet entsprechend der ursprünglichen Planung Ende 1911 in Ruhestand gegangen, wäre Haddock ihm als Kapitän auf der Olympic gefolgt und hätte eine eingespielte Crew vorgefunden – sogar David Blair, der Ende 1911 die Teutonic verlassen hatte, wäre verfügbar gewesen, um sich in bester White Star Tradition an das neue Schiff zu gewöhnen und dabei Kollegen an Bord zu haben, die sich bereits auskennen. Und Hayes wäre, wie bereits 1899 auf der ersten Britannic, Nachfolger von Haddock als Kapitän eines Schiffes – dieses Mal der Olympic – geworden. Der dortige 1. Offizier Hume wäre ein alter Bekannter von der Majestic gewesen, und Hume wiederum kannte den Chief Officer Holme ebenfalls von der Majestic.

Unter diesen Voraussetzungen hätte die erste Nautiker-Besatzung der Titanic dann folgendermaßen ausgesehen

Rang Name vorheriges Schiff
Kapitän Haddock Olympic
Chief Officer Murdoch Olympic
1. Offizier Lightoller Oceanic
2. Offizier Blair Olympic
3. Offizier Pitman Oceanic
4. Offizier Boxhall Arabic
5. Offizier Lowe Belgic
6. Offizier Moody Oceanic

Die Oceanic-Leute hätten weiterhin das Rückgrat gebildet, doch es hätte zwei dienstältere Offiziere und natürlich den Kapitän mit Olympic-Erfahrung gegeben. Schiffsarzt wäre dann vermutlich Dr. Beaumont geworden und Zahlmeister Claude Lancaster, der bereits die Jungfernfahrt der Olympic – zusammen mit McElroy – mitgemacht hat.

In dem Moment, in dem Haddock als dann dienstältester Kapitän die Titanic übernommen hätte, hätte Hayes die Olympic bekommen (mit Zahlmeister McElroy und vermutlich Dr. O’Loughlin, von dem Beaumont in seiner Autobiographie schreibt, dass O’Loughlin 1912 nur widerstrebend auf die Titanic gegangen ist, weil er dem Wechsel der Schiffe überdrüssig war). Nun ist Ende März 1912 jedoch noch Kapitän Smith als dienstältester Kapitän aktiv. Kann man ihn wirklich auf der Olympic lassen und Kapitän Haddock auf die Titanic setzen? Diese Pläne hatte Ismay am 3. Oktober 1910 laut der New York Times geäußert, wobei es für Kapitän Edward John Smith die Einschränkung „probably“ also „vielleicht“ gab, während Haddock für die Titanic bereits fix gewesen zu sein scheint. Für mich ist das ein erster Indikator dafür, dass Edward John Smith bereits 1910 ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich zum Ende des Jahres 1911 und damit vor der Indienststellung der Titanic zur Ruhe zu setzen.

Am 6. Juni 1911 spekuliert die New York Times, dass entweder Kapitän Hayes oder Kapitän Henry Smith der Nachfolger von Kapitän Edward John Smith auf der Olympic werden könnte – damit scheint Haddock bereits zu dem Zeitpunkt als Kapitän der Titanic gefixt gewesen zu sein. Für mich ist das ein weiterer Indikator dafür, dass E. J. Smith wirklich für Ende 1911 im Ruhestand gesehen wird. Hayes ist ja bereits auf der Adriatic der Nachfolger von Edward John Smith geworden. Henry Smith kommandiert 1911 die Megantic und wird 1912 Nachfolger von Haddock auf der Oceanic.

Zurück zu Edward John Smith im Frühjahr 1912: Kann man ihn wirklich auf der Olympic lassen, wenn die Titanic in Dienst gestellt wird? Welche Außenwirkung hätte das angesichts der Kollision zwischen der Olympic und der Hawke im September 1911, die vermutlich auch die Ursache dafür war, dass Smith immer noch aktiv zur See fuhr?

Ich vermute, dass mögliche Gerüchte über mangelndes Vertrauen der Reederei in Smith für den Tausch der Kapitäne verantwortlich war. Doch wäre Haddock mit der ursprünglichen Offiziersbesetzung der Titanic gefahren? Oder hätte auch er auf mehr Olympic-Erfahrung gepocht? Diese Frage wird sich vermutlich nie zufriedenstellend beantworten lassen – es sei denn, es tauchen Hinweise auf, dass bereits Haddock während seiner kurzen Zeit auf der Titanic mehr Männer Olympic-Erfahrung unter seinen Offizieren gefordert hat. Denn Lightoller zum Beispiel, durchaus ein Seemann mit Erfahrung, hat in seiner Autobiographie geschrieben, dass er vierzehn Tage brauchte, um den kürzesten Weg von einem Ende des Schiffes zum anderen zu finden.

Bei der Indienststellung der Olympic hatte die dortige erste Besatzung übrigens deutlich mehr Zeit, sich an das Schiff zu gewöhnen, ehe es auf Jungfernfahrt ging, so dass dort die mangelnde Erfahrung mit der Größe des Schiffes eine geringere Rolle spielte.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die White Star Line den Personaleinsatz sorgfältig geplant hat, so dass das Durcheinander, das auf der Titanic beobachtet werden kann, als ungewöhnlich einzustufen ist. Leider sind es ausgerechnet die Vorgänge auf der Titanic, die bekannt werden. Und um die Frage aus der Überschrift noch mal eindeutig zu beantworten: Es wurde noch ein Offizier mit Olympic-Erfahrung gesucht, und Wilde ist der einzige, der greifbar ist, als die Titanic nach der Überführungsfahrt von Belfast Southampton erreicht. Darum Wilde!

Quellen:
Crew Agreement Titanic Home Trade for voyage fromBelfast toSouthampton (2A/45/381A), Belfast Public Record Office
BT 165/373, BT 165/428, BT 99/2746, BT 165/469, BT 99/2747, BT 99/2817, BT 100/245, BT 100/246, BT 100/247, BT 100/248, BT 100/249, BT 100/259 aus dem Public Record Office, Kew, England
MS 18567, Guildhall Library,London
Lloyd’s Register of Ships für die Jahre 1899 – 1914
Diskussionsinput zum Eintritt in den Ruhestand von Kapitän Smith von Günter Bäbler.
Beaumont, J. C. H., Ships – and People, London, kein Datum
Lightoller, Charles Herbert, Titanic and other Ships, London and Manchester, kein Datum
Marcus, Geoffrey, The Maiden Voyage, London, 1988

© Susanne Störmer, 2007

Erstveröffentlichung: Deutscher Titanic-Verein von 1997 e. V., Der Navigator, Nr. 1, 11. Jahrgang (Mai 2007)